Kieler Meeresforschung seit dem 2. Weltkrieg

 

22.06.2018

Kieler Meeresforschung seit dem 2. Weltkrieg

1. Standort des Instituts für Meereskunde in Kitzeberg (zerstört 1944). Quelle: Archiv GEOMAR.Institut für Meereskunde mit der (weissen) Meteor am Westufer der Kieler Förde. Quelle: Archiv GEOMAR.Der Wegbereiter der Meeresgeologie in Kiel, Prof. Eugen Seibold, mit seiner Frau Dr. Ilse Seibold. Foto: privat.

22.06.2018/Kiel. Die Geschichte der Kieler Meeresforschung reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Mit der Gründung des Instituts für Meereskunde im Juni 1937 nahm die Meeresforschung in Kiel Fahrt auf und entwickelte sich über den Zusammenschluss mit dem Forschungszentrum für Marine Geowissenschaften im Jahr 2004 zum heutigen GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zu einem der weltweit bedeutendsten Standorte in diesem Forschungsfeld. Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat diese Entwicklung in mehreren Aufsätzen dokumentiert, die jetzt in der Schriftenreihe des Deutschen Schifffahrtsmuseums erschienen sind.

Als Samuel Reyer 1697 seine ersten Experimente zur Bestimmung des Salzgehaltes in der Kieler Förde durchführte, hat er nicht gewusst, welche Bedeutung dieser Forschungszweig gut 300 Jahre später in Kiel haben wird. Dynamik nahm die Entwicklung der Kieler Meeresforschung aber erst nach dem 2. Weltkrieg auf. Das im Juni 1937 in Kitzeberg gegründete Institut für Meereskunde entwickelte sich zu einer Keimzelle der Erforschung physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse im Ozean. Ab 1958 entfaltete sich mit dem geologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die geologische und geophysikalische Erforschung des Meeresbodens zu einem zweiten Standbein. Ende der 80er Jahre kam es zur Gründung des Forschungszentrums für Marine Geowissenschaften auf dem Kieler Ostufer. Nach dem Zusammenschluss der beiden Einrichtungen entstand das heutige GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. GEOMAR zählt heute zu den weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung. Ehemalige Wissenschaftler haben diese Entwicklung jetzt aus ihrer Sicht in mehreren Aufsätzen dokumentiert und in einem Band der Schriftenreihe des Deutschen Schifffahrtsmuseums veröffentlicht.

„Hinter der langen Geschichte der Kieler Meeresforschung stehen renommierte Wissenschaftler, die mit ihren Ideen die Meeresforschung in Kiel vorangetrieben haben“, berichten Prof. Dr. Gerold Siedler und Dr. Walter Zenk, beide Physikalische Ozeanographen und Hauptautoren der Aufsätze. „Georg Wüst und Günter Dietrich sind hier insbesondere zu nennen, die in den 50er und 60er Jahren wichtige Impulse als Direktoren im Institut für Meereskunde gesetzt haben“, so Zenk weiter. „Auf dem Feld der Meeresgeologie entwickelte Eugen Seibold am Institut für Geologie und Paläontologie (heute Teil des Instituts für Geowissenschaften) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel weit reichende Initiativen“, erläutert Prof. Dr. Jörn Thiede, Gründungsdirektor des Forschungszentrums für Marine Geowissenschaften und späterer Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. „Ohne die treibende Kraft und die Visionen von Professor Seibold hätte sich die geologische Meeresforschung in Kiel sicher nicht so entwickelt“, so Thiede weiter. In dem von ihm koordinierten Beitrag geht er, wie auch das Autorenteam um Walter Zenk in dem mehr physikalisch fokussierten Beitrag, auf die technischen Innovationen und wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Meeresgeologie ein. „Kreative Köpfe, Innovation und die Freiheit, neue Ideen auszuprobieren und zu gestalten, haben die Kieler Meeresforschung in den letzten Jahrzehnten beflügelt“, unterstreicht Thiede. Dabei sei die enge Kooperation mit der Christian-Albrechts-Universität immer von einem besonderen Vorteil gewesen, weil hier von Anfang an die wissenschaftliche Ausbildung sehr eng mit der Forschungsarbeit verzahnt ist. „Viele wissenschaftliche Karrieren haben hier in Kiel begonnen und Menschen weltweit in führende Positionen im Bereich der Meeresforschung geführt“, so Prof. Thiede. Dies gilt auch für den Bereich der Meeresbiologie, für den Professor Dr. Gotthilf Hempel einen weiteren Aufsatz mit sehr persönlicher Sicht in der Schriftenreihe des Deutschen Schifffahrtsmuseums beisteuerte.

„Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Autoren, die als Zeitzeugen über Jahre aufwändig Details zur Geschichte der Kieler Meeresforschung recherchiert haben“, sagt Dr. Andreas Villwock, Sprecher des GEOMAR. „So gehen wichtige Details nicht verloren und bleiben der Nachwelt erhalten“, so Villwock weiter.

Originalarbeiten

Zenk, W., G. Siedler, P.C. Wille, G. Wegner, J. Thiede, V. Storch, P. Speth, E. Ruprecht, M. Ehrhardt, and B. Zeitzschel, 2018: Early Oceanography and the Development of Physical and Chemical Marine Sciences in Kiel after World War II. Deutsches Schiffahrtsarchiv, Wissenschaftliches Jahrbuch des Deutschen Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven, 39, 29-93, ISSN 0343-3668, ISBN 978-3-86927-039-5.

Thiede, J., W.W. Hay, M. Sarnthein, P. Schäfer, G. Siedler, P. Stoffers, V. Storch, E. Suess, R. von Huene, P.C. Wille, B. Zeitzschel, and W. Zenk, 2018: From a Modest Start to a Flourishing Marine Research Environment: The Institutional Development of Marine Geosciences in Kiel after World War II. Deutsches Schiffahrtsarchiv, Wissenschaftliches Jahrbuch des Deutschen Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven, 39, 95-144, ISSN 0343-3668, ISBN 978-3-86927-039-5.

Hempel, G., 2018, Erinnerungen an ein halbes Jahrhundert deutscher Meeresforschung. Deutsches Schiffahrtsarchiv, Wissenschaftliches Jahrbuch des Deutschen Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven, 39, 9-28, ISSN 0343-3668, ISBN 978-3-86927-039-5.

Kontakt:

Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2811, presse(at)geomar.de