Schattenseite der Kieler Woche

 

26.07.2018

Schattenseite der Kieler Woche

Müllsammeln mit dem Schiermoker des ABK. Foto: J. Steffen, GEOMAR.Teilnehmer der Kieler Kanu-Vereinigung. Foto: J. Steffen, GEOMAR.Auswertung des gesammelten Mülls. Quelle: N. Ory, GEOMAR.Zusammensetzung des gesammelten Mülls. Quelle: N. Ory, GEOMAR.

26.07.2018/Kiel. 10 Tage fröhliche Party mit drei Millionen Gästen hinterlassen Spuren. Der ABK, die Kanu-Vereinigung Kiel und GEOMAR sammelten vor, während und nach der Kieler Woche Müll in der Kieler Förde. Nun liegen die ersten Analysen der Menge und Zusammensetzung des Mülls von der Referenzstrecke vor: Während des Sommerfestes war der Mülleintrag mehr als 20 Mal höher als zuvor und bei mehr als drei Viertel des eingesammelten Materials handelt es sich um Plastikteile.

Auch in diesem Jahr war die Kieler Woche wieder eine riesige Party am Ufer der Förde. Klar, dass bei mehr als drei Millionen Besucherinnen und Besuchern auch mal etwas neben den Abfallkörben landet – oft dann leider aber auch in der der Kieler Förde. Doch wie viel ist das und wie setzt sich der Müll zusammen? Das wollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel gemeinsam mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) und der Kanu-Vereinigung Kiel genauer wissen. Sie initiierten eine Müllsammelaktion vor, während und nach der Kieler Woche. 

„Dass die Müllmenge während der Kieler Woche stark ansteigt, hat niemanden wirklich verwundert“, sagt der Projektkoordinator Dr. Nicolas Ory, Meeresbiologe vom GEOMAR. Um mehr als das Zwanzigfache stieg die eingesammelte Müllmenge. „Interessant ist, dass Plastikteile wie Becher, Flaschen und Einwegartikel den Löwenanteil ausmachten“, so Ory weiter. Ferner fielen die vielen Zigarettenstummel auf, die auch nach der Kieler Woche in der Förde treiben. „Diese verrotten nicht nur an Land sehr langsam und enthalten viele Schadstoffe, die marine Organismen beeinflussen. Ein Initiative für die Kieler Woche 2019 könnte das Aufstellen von Mülleimern für die Zigaretten sein, sagt Dr. Catriona Clemmesen-Bockelmann, Fischereibiologin am GEOMAR.

Letztendlich dominiert aber der Plastikmüll. „Die Mehrwegregelungwährend der Kieler Woche ist ein sehr guter Ansatz, um den Plastikmüll zu verringern“, sagt Dr. Clemmesen-Bockelmann. Die eingesammelten Müllteilchen stammen nur in ganz wenigen Fällen von Kieler-Woche-Ständen und den dort angebotenen Waren. Offensichtlich geraten aber viel mitgebrachtes Einweggeschirr und mitgebrachte Einwegartikel in die Förde. Hier müsse noch weitere Sensibilisierung über die negativen Auswirkungen der Plastikverschmutzung betrieben werden, so die Kieler Wissenschaftlerin.

Die Forschenden vom GEOMAR bedanken sich ganz herzlich beim ABK, der Kanu-Vereinigung Kiel sowie der Kieler Forscherwerkstatt des Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft" für die Unterstützung. 

Ein ähnlicher Ansatz wird während der Hanse Sail im August von den Rostocker Kollegen am Institut für Ostseeforschung (IOW) verfolgt werden, um zu prüfen, inwieweit die Ergebnisse des Volksfestes Kieler Woche mit denen einer anderen Großveranstaltung übereinstimmen. 

Für Kiel ist eine Wiederholung der Aktion während der Kieler Woche 2019 geplant, ferner laufen derzeit Mikroplastikuntersuchungen in der Kieler Förde. Hier beproben Forschende des GEOMAR einmal im Monat acht Untersuchungsstationen.

Kontakt:

Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse(at)geomar.de