Ist das 1,5°-Ziel nur mit technischen Hilfsmitteln zu erreichen?

 

11.10.2018

Ist das 1,5°-Ziel nur mit technischen Hilfsmitteln zu erreichen?

Negative Emissionen, die zum 1,5°-Klimaziel führen könnten, sind noch mit vielen Unsicherheiten behaftet. Grafik: Rita Erven/GEOMAR

11.10.2018/Kiel. In dieser Woche veröffentlichte der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) den „Sonderbericht 1,5°C globale Erwärmung“ (SR1.5). Die Kernbotschaft des Berichts lautet: Eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 anstatt der im Pariser Klimaabkommen als Obergrenze festgelegten 2°C würde die wesentlichen Auswirkungen des Klimawandels deutlich abmildern. Dazu gehören der Artenverlust an Land und im Ozean, die Intensität von Extremereignissen wie Dürren, Hitzewellen und Starkniederschlägen und nicht zuletzt der Anstieg des globalen Meeresspiegels.

Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, wäre es aber notwendig, die von Menschen verursachten Kohlendioxid (CO2)-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent gegenüber dem Niveau von 2010 abzusenken. Spätestens 2050 müssten sie bei netto null liegen. Außerdem wäre im weiteren Verlauf des 21. Jahrhunderts eine Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre in der Größenordnung von 100-1000 Gigatonnen CO2 notwendig. Das entspricht einer Menge, die die Menschheit bei aktuellen Werten in 2,5 bis 25 Jahren freisetzt.

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Schwerpunktprogramm „Climate Engineering – Risiken, Herausforderungen, Möglichkeiten?“ stellt dazu aktuell in einem neuen Trickfilm-Video verschiedene Maßnahmen vor, mit denen solche „negativen Emissionen“ realisiert werden könnten. Dazu gehören neben großflächiger Aufforstung das Binden von Kohlendioxid mit Hilfe künstlicher Bäume (Direct Air Capture), die Alkalisierung der Meere oder die Nutzung von Energie aus nachwachsenden Energieträgern bei gleichzeitiger Abscheidung und Speicherung von CO2 (Bio Energy with Carbon Capture, BECCS). „Für die zum Erreichen der versprochenen Klimaziele erforderliche umfangreiche Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre gibt es aber bisher keine Erfahrungen bezüglich Machbarkeit und Nachhaltigkeit“, sagt der Koordinator des Schwerpunktprogramms, Prof. Dr. Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

In dem Film weist das Projekt deshalb ausdrücklich auch auf die Nebenwirkungen der einzelnen Maßnahmen hin. „Selbst ein scheinbar so naturnaher Prozess wie die Aufforstung könnte mit erheblichen Problemen verbunden sein, wenn sie großskalig eingesetzt werden. Dann steht die Aufforstung schnell in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und kann unbeabsichtigte Auswirkungen auf den überregionalen Wasserkreislauf und letztlich das Klima haben“, erklärt Professor Oschlies.

Das Problem sei, so der Experte für Biogeochemische Modellierung des Erdsystems weiter, dass schon jetzt auf nationaler und internationaler Ebene Techniken als Lösungen diskutiert werden, bevor ihre langfristige Tauglichkeit belegt sei. Das DFG-Schwerpunktprogramm hat sich zum Ziel gesetzt, Lücken im Wissen über die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen derartiger Maßnahmen zur Klimaregulierung zu schließen. Gleichzeitig wollen die beteiligten Forscherinnen und Forscher aber auch die gesellschaftliche Diskussion über das Thema anregen. „Dazu soll auch das neue Video beitragen“, sagt Professor Oschlies. Nur eines ist jetzt schon sicher: Ohne drastische Reduzierung der CO2-Emissionen werden wir nicht einmal in die Nähe der versprochenen Klimaziele kommen.

 

 

Links:

www.spp-climate-engineering.de Das DFG-Schwerpunktprogramm "Climate Engineering - Risiken, Herausforderungen, Möglichkeiten?"

Video "Negative Emissions" auf dem YouTube-Kanal des SPP "Climate Engineering