Forschung in der Nordostpassage

 

09.09.2019

Forschung in der Nordostpassage

09.09.2019/Kiel/Murmansk.Bedingt durch die Klimaerwärmung könnte die Nordostpassage, der Seeweg durch den Arktischen Ozean nach Asien, in den Sommermonaten schon in wenigen Jahren zu einer attraktiven Alternative werden. Ein deutsch-russisches Forscherteam unter Beteiligung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel wird die Passage in den kommenden sechs Wochen befahren, um neue Einblicke in die Klimageschichte dieser Region zu erhalten. Am 8. September haben 34 Forschende mit dem russischen Forschungsschiff Professor Multanovskiy den Hafen von Murmansk verlassen. Ende Oktober werden sie in Wladiwostok einlaufen.

Die Klimaerwärmung ist in der Arktis am deutlichsten erkennbar. Jetzt im September erreicht die Meereisbedeckung ihr Minimum, und in diesem Jahr ist ein neuer Rekord sehr wahrscheinlich. Doch wie ordnen sich die heutigen Veränderungen in die Klimageschichte ein?  

„Wir forschen schon seit mehr als 25 Jahren in der sibirischen Arktis“, erläutert Dr. Heidemarie Kassens, Co-Fahrtleiterin der Expedition vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Dies ist die Kinderstube des arktischen Meereises, das immer später gebildet wird, deutlich dünner ist und im Sommer immer schneller verschwindet.“ Hier sei der Klimawandel wirklich sehr augenfällig, so die Kieler Meeresgeologin. Erstmalig wird sie nun mit Dr. Jens Hölemann vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meereswissenschaften, Florian Evers vom GEOMAR, zwei Studierenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und ihren russischen Partnern die gesamte Nordostpassage von Murmansk bis zur Beringstraße durchfahren, um neue Klimaarchive zu erschließen. Zentrales Arbeitsgebiet ist die Ostsibirische See am Ende der Nordostpassage, die erst nach dreiwöchiger Fahrt von Murmansk aus erreicht wird.  

Noch bis vor wenigen Jahren war dieses Gebiet auch im Sommer eisbedeckt und deshalb schwer erreichbar, so dass es nur wenige Forschungsergebnisse über die heutigen Umweltbedingungen gibt. Daten zur Klimageschichte dieser Region existieren bisher nicht. Dies möchte das Team in den kommenden knapp sieben Wochen ändern. An Bord des russischen Forschungsschiffes Professor Multanovskiysollen bis zu zehn Meter lange Sedimentkerne genommen werden, von denen die Forscher sich völlig neue Einblicke in die Klimageschichte erhoffen. „Dies wird eines der letzten noch fehlenden Puzzlestücke für die Rekonstruktion der arktischen Klimageschichte sein. Insbesondere interessieren uns die Geschwindigkeiten, mit denen sich das Klima bei natürlichen Schwankungen verändert hat“, erläutert Dr. Kassens. Auch wenn den meisten Menschen die derzeitigen Änderungen nur langsam vorkommen, sind sie sehr schnell, was das polare Ökosystem vor enorme Probleme stellt. Viele Lebewesen können sich nicht so rasch an die geänderten Bedingungen anpassen und werden verdrängt oder verschwinden völlig.

Die erhobenen Daten tragen zu dem vom deutschen und russischen Forschungsministerium finanzierten Projekt CATS (The Changing Arctic Transpolar System) bei. Die deutschen CATS-Forscher nehmen auf Einladung des Staatlichen Instituts für Arktis- und Antarktisforschung, Sankt Petersburg, an der Expedition TRANSARKTIKA 2019 teil. „Dies ist eine großartige Gelegenheit, wichtige Themen des CATS-Projekts wie die ökologischen Folgen des Klimawan­dels in den sibirischen Schelfmeeren, die Auswirkungen von Eisbildung und Schmelze auf die Nährstoffverteilung im Nordpolarmeer sowie die holozäne Meereisvariabilität und Meeresspiegelentwicklung voranzubringen“, betont Dr. Kassens.

 

 

 Kontakt:

Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse(at)geomar.de